Dr. Hans Jürgen Hahn wurde für sein Lebenswerk im Gewässerschutz ausgezeichnet
Mit großer Wertschätzung und in festlichem Rahmen wurde am 21. Februar 2026 im Rheinland-Pfälzischen Storchenzentrum in Bornheim der Gerhard-Postel-Naturschutzpreis 2026 verliehen.
Die Aktion PfalzStorch e.V. würdigte damit das jahrzehntelange Engagement von Dr. Hans Jürgen Hahn für Grundwasserökologie, Landschaftswasserhaushalt und Gewässerschutz – ein Lebenswerk, das weit über die Fachwelt hinaus Bedeutung hat.
Die musikalische Eröffnung übernahm die Jagdhornbläsergruppe Südliche Weinstraße mit traditionellen Jagdsignalen und Fanfaren. Zu Beginn des Festakts begrüßte die Bürgermeisterin Elke Thomas die Gäste: Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Naturschutzverbänden, regionalem Weinbau und interessierte Bürgerinnen und Bürger.
Anschließend hieß Andreas Gutting, Erster Vorsitzender der Aktion PfalzStorch, die Anwesenden herzlich willkommen und lenkte den Blick auf die Verdienste des Preisträgers, dessen Arbeiten, die den Umwelt- und Gewässerschutz in der Pfalz in den Mittelpunkt rücken. Daneben hob er die Bedeutung des Naturschutzes hervor und grenzte ihn inhaltlich vom Begriff „Umweltschutz“ ab. Naturschutz betrifft uns alle, denn schließlich gehöre der Mensch zur Natur. Umweltschutz ließe zu, dass der Mensch sich als außenstehend wahrnehmen könnte und nur seine Umwelt sehe, aber nicht seine Zugehörigkeit dazu.
Mit dem Hinweis, wie entscheidend eine verständliche Berichterstattung über Naturschutzfragen sei, schlug er den Bogen zu Daniel Harrich, dessen Dokumentationen einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Wahrnehmung leisten.
Die Laudatio hielt der Regisseur und Investigativjournalist Daniel Harrich. Gleich zu Beginn stellte er einen Satz in den Mittelpunkt, der wie ein Leitmotiv über dem Lebenswerk des Preisträgers steht:
„Beim Wasser hängt alles mit allem zusammen.“
In diesen Worten, so Harrich, steckten Wissenschaft, Haltung und Dringlichkeit zugleich
Die Verbundenheit mit der Natur wurde Dr. Hans Jürgen Hahn früh mitgegeben. Aufgewachsen in Siebeldingen, direkt an nassen Wiesen und Entwässerungsgräben, beobachtete er Molche, Frösche, Flusskrebse und Stichlinge. Schon als Schüler am Otto-Hahn-Gymnasium setzte er sich wissenschaftlich mit der Verschmutzung und Selbstreinigungskraft der Queich auseinander
Der Erste Kreisbeigeordnete Georg Kern griff diesen Aspekt später in seinem Grußwort auf. Er hob hervor, wie prägend die naturwissenschaftliche Ausbildung am Otto-Hahn-Gymnasium gewesen sei: praktische Versuche, anschauliche Beispiele und die gezielte Förderung von Neugier. Eine solche Bildung, so Kern, wünsche er sich auch heute wieder stärker – als Grundlage für Verantwortungsbewusstsein und Umweltverständnis.
Nach Biologiestudium, Diplom über Quellen, Promotion über die Wieslauter und Habilitation zur ökologischen Bewertung des Grundwassers entwickelte sich Dr. Hahn zu einem profilierten Kenner des Landschaftswasserhaushalts. Früh erkannte er, dass Fachwissen allein nicht genügt. „Wer andere für den Natur- und Umweltschutz gewinnen will, muss sein Wissen, gepaart mit Begeisterung, allgemeinverständlich vermitteln“, beschreibt er selbst seinen Antrieb.
Ein zentrales Erlebnis seiner Jugend – verschmutzte Forellen aus der Queich, deren Kiemen mit Zelluloseflocken belastet waren – ließ ihn die Verletzlichkeit der Gewässer früh begreifen.
Später wurde ihm klar: Der Lebensraum Grundwasser spielte weder rechtlich noch praktisch eine ausreichende Rolle. Diese Lücke zu schließen, wurde zu seiner Lebensaufgabe. Ein großes Ziel, das heute aktueller ist denn je, aber noch immer nicht erreicht wurde.
In seiner Laudatio erinnerte Daniel Harrich auch an Uwe Emnet – nicht als Einzelkämpfer, sondern als engen Wegbegleiter von Dr. Hahn. Es sei Dr. Hahn sehr wichtig, dass man diesen nicht vergesse. Emnet dokumentierte über Jahre akribisch Beregnungsmengen in der Südpfalz. Gemeinsam mit Dr. Hahn wurden diese Daten ausgewertet und mit genehmigten Entnahmen verglichen. Missstände wurden sichtbar gemacht – sachlich, fundiert und beharrlich und so nachgewiesen, dass immer wieder deutlich mehr entnommen wurde als genehmigt.
Die Zusammenarbeit war Ausdruck dessen, was Dr. Hahn stets betont: Naturschutz ist Teamarbeit.
In seinen eigenen Dankesworten würdigte Dr. Hahn zahlreiche Mitstreiter. Besonders hob er Holger Schindler hervor, mit dem ihn eine über 30-jährige Zusammenarbeit verbindet.
Mit einem Augenzwinkern erinnerte er sich an seine Anfangszeit beim BUND Landesverband Rheinland-Pfalz nach der Universität: „Frisch motiviert von der Uni“ sei er gewesen – dort habe es geheißen: „Mach emol, awwer koschde darf‘s uns nix!“ Dass war dann der Beginn für spannende Projekte. Trotz knapper Mittel und begrenzter Ressourcen sei vieles möglich gewesen – getragen von Idealismus, Überzeugung und verlässlichen Partnerschaften. Er dankte allen, die ihn über Jahrzehnte begleitet haben – aus Wissenschaft, Verwaltung, Verbänden, Landwirtschaft und Bürgerschaft.
In seiner Rede wurde deutlich: Für Dr. Hahn ist Wasser keine abstrakte Ressource, sondern die Grundlage allen Lebens. Gerade in der Süd- und Vorderpfalz zeigten sich die Folgen von Klimawandel, Entwässerung und Landschaftsveränderung „wie unter einem Brennglas“.
Doch er bleibt zuversichtlich:
„Vor Ort haben wir die Chance, die Probleme zu lösen, die Landschaft zu renaturieren, neue Vielfalt zu schaffen und dabei auch das Wasser in der Landschaft zu halten. Das aber kann nur funktionieren, wenn alle Beteiligten im Gespräch miteinander bleiben.“
Diesen Standpunkt untermauerte der Umweltstaatssekretär Dr. Erwin Manz in seinem Grußwort: „Das Ehrenamt ist eine wichtige Säule unserer demokratischen und solidarischen Gesellschaft. Demokratie lebt von Bürgerinnen und Bürgern, wie Herrn Dr. Hahn, die unser Zusammenleben im Sinne des Gemeinwohls mitgestalten und sich aktiv für ihre Herzensthemen einsetzen. Gerade der Natur- und Grundwasserschutz profitiert ungemein vom unermüdlichen und inhaltlich fundierten Engagement von Menschen wie ihm.“
Ein Preis für Haltung und Beharrlichkeit
Der Gerhard-Postel-Naturschutzpreis würdigt nicht kurzfristige Projekte, sondern Lebenswerke.
Der seit 2013 vergebene Preis zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen für ehrenamtlichen Naturschutz in Rheinland-Pfalz und erinnert an den „Umweltpfarrer“ Gerhard Postel. Mit Dr. Hans Jürgen Hahn wurde 2026 ein Wissenschaftler ausgezeichnet, der Forschung, Öffentlichkeitsarbeit und gesellschaftliche Verantwortung in beispielhafter Weise verbindet. Seine Arbeit hat das Verständnis für Grundwasser und Landschaftswasserhaushalt geprägt – und sie hat gezeigt, dass nachhaltiger Naturschutz nur im Dialog gelingt.
Oder, wie es in der Laudatio hieß:
„Beim Wasser hängt alles mit allem zusammen.“













