BORNI

Suche nach einem toten Weißstorch im Niger-Binnendelta


 

Rückholung eines Satellitenfunksenders, der von einem Weißstorch getragen wurde.

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Der Logger wurde im westlichen Teil des inneren Nigerdeltas nach dem Tod des Vogels am Flussufer wiedergefunden.

Exkursionsteilnehmer:

Mori DIALLO: Teamleiter des Büros „Wetlands International Mali“ in Mopti

Adama KONTA: Bootsführer

April 2015

1. Einleitung

Das Büro der Wetlands International Mali wurde von Mr. Ibrahima THIAM, dem regionalen Direktor von Wetlands Africa, über einen toten Weißstorch im Niger-Binnendelta (= IND) informiert und lud Mr. Mori Diallo, den Teamleiter des Büros in Mopti, ein, mit Herrn Wolfgang Fiedler in Kontakt zu bleiben.

 

Nach einem Gespräch mit Herrn Wolfgang (Anm.: wörtlich übersetzt. Es handelt sich hier um Dr. Wolfgang Fiedler) entschieden wir, die Aktion nach dem AEWA-Workshop zu planen. Dieser Workshop stand im Zusammenhang zu critical sites network (Vereinigung zum Schutz wandernden von Wasservögeln), was sehr gut zu diesem Thema passte. In meiner Präsentation nehme ich Bezug darauf und darum werden einige Personen dieses Workshops in Kopie dieses Berichts gesetzt werden.

Ich versprach Herrn Wolfgang, dass wir die Exkursion nach dem Kenya-Treffen einplanen würden. Er antwortete: „Das ist toll! Viele Leute in Deutschland verfolgten Borni und werden auch daran interessiert daran sein, etwas über Ihre Arbeit zu lernen. Danke und viel Glück!“

 

Die Exkursion wurde vom Samstag, den 2. bis zum Montag, den 4. April [2016] im westlichen Teil des Niger- Binnendeltas geplant. Gott sei dank passierte nicht viel trotz der unsicheren Bedingungen.

2. Exkursion und Suche nach dem Vogel und seinem Logger

Dank der Basisinformationen, die uns von Herrn Wolfgang zur Verfügung gestellt wurden, besonders die Position und die Koordinaten des toten Storches, benutzten wir das GPS, um das Gebiet zu erreichen. Nach einer langen Suche zeigte uns der Display des GPS den wahrscheinlichen Fundort des Weißstorches auf ca. 10 m genau. Das war erst einmal Grund zur Freude. Aber der schwierigste Teil war die Frage, wie man mit den Dorfbewohnern kooperiert, um den Sender zurück zu bekommen. Diese Geschichte wird kein Teil dieses Berichts.

3. Fund des Senders

Bei einem langen Gespräch mit den Menschen vor Ort, übergab der Dorfälteste und seine Berater, dem Imam der Moschee, den Sender.

Bild1: Der Sender, der vom Storch Borni getragen wurde.

4. Nach dem Empfang des Senders begann eine Diskussion und ein Meinungsaustausch

4.1  Wer war der Inhaber des Senders?

Sein Name ist Allaye Tamboura. Er ist ca. 58-60 Jahre alt. Er ist ein Jäger, außerdem der Kleintierzüchter und Fischer. Nach dem Abschuss des Vogels bedauerte er seiner Erklärung nach seine Tat, als er den Sender auf dem Rücken des Vogels entdeckte. „Ich habe schon viele Ringe an den Beinen von Vögeln gesehen, aber es war das erste Mal, dass ich so etwas erlebt habe. In der Nacht habe ich meinen Bruder angerufen, der im Moment in Douala in Kamerun ist, und erzählte ihm die Geschichte. Er beriet mich, aber das war nicht genug. In der selben Nacht redete ich mit dem Dorfvorsteher und dieser sagte mir, ich solle das Material behalten und früher oder später würde der Besitzer kommen und es suchen.“ Die Zusammenarbeit mit dem Dorfvorsteher war uns bei der Rückholung des Loggers sehr nützlich.

 

4.2  Wo und wie starb der Vogel?

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 Genau an diesem Platz wurde Borni erschossen.Wie man auf dem GPS sehen kann sind die Koordinaten N1447709/ W 00485519. Man kann sehen, dass 11 Satelliten für eine sehr große Genauigkeit sorgen.

 

4.3  Was passierte, als der arme Borni erschossen wurde?

 

 

Ich stellte mein Beobachtungsversteck auf, hinter dem ich mich verbarg. Zu dieser Zeit waren fünf Weißstörche da. Zwei waren zusammen direkt vor mir und drei andere waren auf meiner linken Seite. Unglücklicherweise starben Borni und sein Kollege direkt vor mir an dem Schuss und die anderen drei flogen weg. Im gleichen Gebiet waren Silber- und Fischreiher.

 

5. Beschreibung des Gebietes, in dem der Vogel starb

 

Das Gebiet, in dem der Vogel starb, ist in einem Überflutungsgebiet am Diaka-Fluss. Laut dem Jäger beträgt die Wassertiefe zwei Meter, abhängig vom Wasserfluss des Nigers am Eingang des Diafarabé. Die wichtigste Pflanze ist Vossia cuspidate (Süßgras im tropischen Afrika) und ansonsten gibt es offenes Wasser. Wenn es austrocknet, entstehen Schlammflächen.

 

5.1  Welche Nahrung hat der Vogel gegessen oder Was man nach der Öffnung des des Vogelmagens sah

 

Ich war weder bei der Entfernung der Federn noch bei der Öffnung des Magens dabei. In dem Gebiet ernährte sich der Vogel von kleinen Fröschen, kleinen Fischen und Würmern.

 

6. Beratung zu vermehrter Achtsamkeit und Sensibilisierung aller männlichen, weiblichen und jungen Dorfbewohnern

 

6.1  Identifikation der gejagten Vögel und Erläuterungen zu den Orten, wo sie im IND verblieben sind

 

Auf dem Gelände des Dorfvorstehers fand ein beeindruckendes Gespräch statt, wo viele der Leute verstanden haben, warum Vögel an anderen Orten markiert werden, warum sie generell nach Afrika und ins IND im Besonderen kommen. Als sie lernten, dass die Vögel Deutschland verlassen und über Frankreich, Spanien, Marokko, Mauretanien und Tenekoun kommen, waren die meisten Leute beeindruckt und hatten Mitleid mit diesen Vögeln.

 

6.2  Während dieser Diskussionsrunde wurden von den Dorfbewohnern viele Fragen gestellt. Unter diesen Fragen waren auch die Folgenden

 

Warum verlassen diese Vögel Europa und fliegen nach Afrika? Welche Nahrung fressen diese Vögel in Europa? Können Sie mir das Alter dieser Vögel verraten? Gibt es in Europa Jäger? Auf welche Art jagen Menschen in Europa?

Ich sagte ihnen, dass die Antworten von Leuten aus Deutschland geliefert werden würden, die die Sender an den Tieren angebracht haben, obwohl ich ihnen auch einige Informationen dazu gab.

 

Bild Aufklärungsgespräch

Bild Der Jäger an dem Ort, wo er den Vogel erschoss

 

6.3  Nach dem Abschuss des Vogels zeigten Sie Bedauern. Werden Sie weiterhin Vögel jagen?

 

Das Ziel des Jagens ist möglichst viel Beute zu machen. Das wird in unserer Umwelt immer schwieriger. Der Ertrag aus dem Fischfang verringert sich ständig. Darum jagen wir Vögel.

 

6.4  Welche Einnahmen erzielen Sie mit der Vogeljagd?

 

Für eine Sporngans kann ich zum Beispiel 4000 – 5000 FCFA oder 6 bis 8 Euro bekommen, 2000 FCFA oder 3 Euro für einen Weißstorch. Ich mag die Gänse lieber als Störche. Stellen Sie sich vor, Menschen würden aus kulturellen Gründen nie den Abdim-Storch jagen. Wir wissen nicht viel über die anderen Störche.

 

6.5  Was ist im Moment mit der übrigen Weißstorchpopulation? Sehen Sie immer noch Individuen irgendwo im IND?

 

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Basierend auf den Informationen des Jägers gibt es trotz der großen Hitze noch Weißstörche. Um sie zu sehen, muss man weit in die östlichen Gebiete gehen. Um diese Information zu überprüfen, gingen wir weiter und kamen in ein knochentrockenes Gebiet, wo ein Storch herumstocherte. Als ich versuchte, das mit der Kamera einzufangen, flog er weg, wie man auf dem Bild sehen kann. Nachdem wir den Platz überprüft hatten, haben wir kaum Futter für den Vogel gesehen. Dieser Storch war offensichtlich sehr dünn, was die Verspätung seines Rückflugs in die Brutgebiete erklären könnte.

 

Seit dieser Zeit habe ich realisiert, dass zuverlässige Menschen wie dieser Jäger ein perfektes Wissen über die Vögel und ihre Bewegungen im IND haben. Man sollte sie also, in welche Vogelschutzmaßnahmen auch immer, mit einbeziehen.

 

7. Zusätzlich gewonnene Erkenntnisse aus der Exkursion

 

Das Objekt, auf das wir bei dieser Mission am meisten aus waren, war der Sender. Aber wir haben es geschafft, eine Menge Ringe, weit mehr als ich mir vorgestellt hatte, zu sammeln. Während meiner ganzen Erfahrung im IND haben wir nie eine so große Zahl an Ringen auf einmal gefunden und teilen sie wie folgt ein:

 

Tabelle

 

8. Fazit

 

Ich habe während dieser kurzen Exkursion mehr gelernt und die Bestätigung erhalten, dass die Wasserstandsschwankungen und der Wasserfluss eine große Rolle für die Anwesenheit der Vögel in der Region spielen. Den westliche Teil des IND nennt man „Macina-Gebiet“ und er bedeckt den größten Teil der Überflutungsfläche im IND mit Sümpfen und Schwemmflächen. Dieser Teil wird auch von einem Nebenfluss des Nigers, den man „Diaka“ nennt, genährt. Von Dezember bis März legt der Rückgang des Wassers eine große Fläche frei, was für Vögel im Allgemeinen und und für Watvögel und Gänse im Besonderen von Vorteil ist, mehr als im zentralen Teil. Das bestätigt auch die Zahl der Ringe, die von unseren Mitarbeitern gesammelt wurden, und die in Tenekoun höher ist als in Youvarou Djénné und Mopti.

 

Alle gefundenen Ringe sind von gejagten Vögeln und bei manchen von ihnen war die Inschrift nicht eindeutig zu lesen.

 

Ich habe den Sender dem regionalen Direktor für Wald und Wasser gezeigt und ihm erklärt, was auf unserer Exkursion passiert ist. Er war erstaunt und sagte, dass wir mehr tun müssen, weil es sonst zu einer wirklichen Ausrottung der Vogelwelt kommt.

 

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