Bornheimer Resolution zur Erhaltung der Wässerwiesen

 

Am 1./ 2. August 2008 fand  im südpfälzischen Bornheim auf Einladung der Aktion PfalzStorch e.V. das Symposium „Naturschutz mit dem Storch - Wiesenbewässerung fördert Artenvielfalt“ statt. Die Teilnehmer  haben die folgende Resolution verabschiedet, weitere Unterzeichner haben sich angeschlossen:

Wiesenbewässerung – eine historische landwirtschaftliche Kulturtechnik

Die Bewässerung von Wiesen ist eine seit dem Mittelalter in vielen Ländern Europas gebräuchliche landwirtschaftliche Kulturtechnik. Ihr Ziel war ein gezieltes Wassermanagement, mit dem es gelang, Niederschlags- und Nährstoffdefizite auszugleichen und damit die Heuerträge zu steigern und zu sichern. Wässerwiesen prägten über viele Jahrhunderte das Landschaftsbild. Sie verloren mit dem Beginn der motorisierten Landwirtschaft und dem großflächigen Einsatz von Kunstdünger ihre existentielle Bedeutung und verschwanden seit Mitte des 20. Jahrhunderts fast vollständig.

Bedeutung heute

Die Sicherung der Heuerträge scheint heute nicht mehr so dringend wie in früheren Zeiten, dennoch kann Wiesenbewässerung dazu beitragen, dass Grünland überhaupt bewirtschaftet wird und damit erhalten bleibt. Gleichzeitig ergeben sich positive Effekte für den Grundwasserhaushalt und den vorsorgenden Hochwasserschutz, was nicht zuletzt angesichts des Klimawandels wieder zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Vor allem aber rückt in neuester Zeit die Bedeutung dieser landwirtschaftlichen Technik für die Bewahrung von Pflanzen und Tieren und deren Lebensräumen in den Vordergrund:
Die Wässerwiesen und das damit verbundene Grabensystem beherbergen vielfältige Artengemeinschaften von nassen, feuchten und wechselfeuchten Wiesen, die z.B. durch die Begradigung der Gewässer, durch Entwässerungsmaßnahmen, Umbruch und Auffüllungen von Auen selten geworden sind. Daher ist die regelmäßige Bewässerung der Wiesen für eine Vielzahl von Arten absolut lebensnotwendig: Weißstorch, Wachtelkönig und Watvögel finden ausreichend Nahrung, Wasserfenchel, Schwertlilien und Kantenlauch blühen unter optimalen Bedingungen, und viele Insekten wie Schmetterlinge oder Libellen brauchen solche Wiesen und ihr Gewässernetz als Nahrungs- und Brutgebiet. Wässerwiesen dienen dem Erhalt einer großen Artenvielfalt und tragen wesentlich dazu bei, das Naturerbe zu erhalten.

Die letzten Wässerwiesen repräsentieren eine über Jahrhunderte in Europa praktizierte landwirtschaftliche Nutzungsform und sind damit ein bedeutendes Kulturerbe. Ihre Bauwerke, die Gestaltung des Geländes und die Prägung der Landschaft sind es wert, als Denkmale für die Nachwelt erhalten zu werden. Sie tragen zur Identität einer Region bei und stehen damit nicht zuletzt auch im Interesse eines sanften Tourismus

Forderungen:

1. Wässerwiesen sind als europäisches Kulturerbe anzuerkennen.

2. Die letzten noch funktionierenden Bewässerungsanlagen müssen erhalten 
    oder ertüchtigt werden.

3. Ein weiterer Verlust der Funktionstüchtigkeit von Wässerwiesen durch
    Umnutzung, Bau- und Erschließungsmaßnahmen ist zu verhindern.

4. Die Kooperation von Landwirtschaft und Naturschutz muss gefördert werden,
   damit gewährleistet ist, dass beide Seiten von der Bewässerung der Wiesen      profitieren.

5. Die Bedeutung der Wiesenbewässerung für Landwirtschaft, Naturschutz
    und als schützenswertes Kulturgut muss der Bevölkerung vermittelt werden. 

6. Eine touristische Nutzung kann für diese Ziele sehr förderlich sein, sie darf
    aber nicht zu einer Beeinträchtigung der Grünlandbewirtschaftung, der Natur
    und der Bewässerungsanlagen führen.

7. Die Wiesenbewässerung bedarf der öffentlichen, politischen und finanziellen
    Unterstützung auf nationaler und europäischer Ebene.

Michael Fangrath, Pirmin Hilsendegen, Peter Keller

Bornheim, den 2. August 2008

Ich unterstütze die Bornheimer Resolution zur Erhaltung von Wässerwiesen

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